In einem Zeitalter voller Krankheit ist die Homöopathie ein zentrales und wichtiges Thema im Alltag unserer Medizin. Denn die Schulmedizin ist bei weitem nicht so weit, alles behandeln zu können. Vor allem jedoch muss der menschliche Körper einige Dinge selbst heilen um wirklich dauerhafte Besserung zu erzielen. Denn das Immunsystem hat unvorstellbare Kraft und vor allem Möglichkeiten. Vor allem Dingen ist eine Krankheit auch nur wirklich Überstanden wenn die Körpereigenen Systeme sich ohne jegliche Medikamente wieder normalisiert haben.
Die Auswahl
Die Auswahl eines passenden homöopathischen Mittels richtet sich nicht allein nach der Diagnose. Es sind immer auch die persönlichen Symptome wichtig. Bitte beachten Sie folgendes Vorgehen:
- Wählen Sie zunächst eine Beschwerde aus
- Welches persönliche Symptom steht im Mittelpunkt der Beschwerde?
- Danach wählen Sie Ihren Einstieg und lassen sich dann weiter zu dem passenden homöopathischen Wirkstoff führen.
- Beachten Sie bitte, dass nicht alle genannten Symptome auf Sie zutreffen müssen
- Prüfen Sie am Schluss, ob das Homöopathikum gut mit den Beschwerden übereinstimmt – wenn nicht, wählen Sie bitte einen weiteren Einstieg
So nehmen Sie die Mittel richtig ein:
Nach Erfahrung von homöopathischen Ärzten ist der beste Zeitpunkt zum Einnehmen etwa 30 Minuten vor oder nach dem Essen. Dazu lassen Sie die Globuli (Kügelchen), Tabletten oder Tropfen im Mund zergehen.
Die Geschichte der Homöopathie
Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie
Undenkbar ist eine Auseinandersetzung mit der Homöopathie ohne denjenigen, der diesen anderen Weg bahnte: Der Arzt und Apotheker Dr. Christian Friedrich Samuel Hahnemann.
Das Leben von Samuel Hahnemann
„Ich bin … von dem gewöhnlichen Wege in der Heilkunde abgegangen.“
Brief Hahnemanns an Dr. Christoph Wilhelm Hufeland, 1808
| 10.04.1755 | geboren in Meißen |
| 1775-1779 | Medizinstudium in Leipzig, Wien und Erlangen |
| 1780-1805 | Arbeit als Übersetzer und wissenschaftlicher Autor |
| 1782 | Heirat mit Henriette Küchler, 11 Kinder |
| 1790 | Übersetzung der Arzneimittellehre von Cullen, dabei erste Überlegungen zur Homöopathie, Chinarindenversuch |
| 1796 | erste Veröffentlichung zur Homöopathie: „Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen“ (Geburtsstunde der Homöopathie), – Beginn Praxistätigkeit als homöopathischer Arzt |
| 1805 | „Heilkunde der Erfahrung“ |
| 1810 | „Organon“ (Hauptwerk der Homöopathie) |
| 1812-1821 | Privatdozent an der Leipziger Universität |
| 1822 | Leibarzt des Herzogs von Anhalt-Köthen, Ernennung zum Hofrat |
| 1830 | Tod der Ehefrau Henriette |
| 1835 | zweite Ehe mit der jungen Französin Mélanie d’Hervilly, Umsiedlung nach Paris, dort erfolgreich als homöopathischer Arzt tätig |
| 02.07.1843 | gestorben in Paris |
Der berufliche Hintergrund Hahnemanns
Hahnemann galt als einer der führenden Wissenschaftler seiner Zeit. Er übersetzte, kommentierte, schrieb und veröffentlichte in großem Umfang. Bereits mit 29 Jahren äußerte er sich zu Hygiene und Krankheitsprophylaxe. Sein mehrbändiges Apotheker-Lexikon stellte eines der Standardwerke für Apotheker dar. Zahlreiche Schriften stellten innovative Ansätze vor, so wie Hahnemann selbst in einem Brief an den Verleger Becker (18.10.1833) bemerkt:
„Liebster Freund! Beigehende kleine Abhandlung wichtiger Wahrheiten über welche, zum Erstaunen, die Chemie bisjezt in Irrthum und Unwissenheit schwebte, empfehle ich zum Abdruck für Ihren Anzeiger …“
Beigefügt war dem Brief eine Schrift über „Die Entstehung des Gases Kohlensäure genannt“ (17.10.1833), in der Hahnemann die chemische Beschaffenheit der Kohlensäure beschreibt.
Die Medizin zu Hahnemanns Zeit
Die Medizin zu Hahnemanns Zeit bestand aus Brech-, Schwitz- und Abführkuren, Schröpfen, Einläufen, Blutegeln und Aderlässen, wie auch sehr starken Medikamenten, die häufig zu Vergiftungen führten. Hahnemann lehnte die Behandlungsmaßnahmen seiner Zeit entschieden ab, da viele Patienten durch die drastischen Maßnahmen geschwächt wurden oder sogar starben. Er suchte nach einer Heilkunde, die den Organismus stärkt, anstatt ihn zu schwächen In einem späteren Brief, zwölf Jahre nach der ersten Veröffentlichung zur Homöopathie im Journal des renommierten Arztes Christoph Wilhelm Hufeland, blickt Hahnemann in einem Brief an Hufeland zurück und beschreibt seine Skrupel (Brief an einen Arzt von hohem Range, über die höchst nöthige Wiedergeburth der Heilkunde, 1808):
„… ich machte mir ein empfindliches Gewissen daraus, unbekannte Krankheitszustände bey meinen leidenden Brüdern mit diesen unbekannten Arzneyen zu behandeln, die als kräftige Substanzen, wenn sie nicht genau passen, … leicht das Leben in Tod verwandeln oder neue Beschwerden und chronische (langwierige) Uebel herbeyführen können, welche oft schwerer als die ursprüngliche Krankheit zu entfernen sind.“
Der Chinarindenversuch
Wie aus dem Brief an Christoph Wilhelm Hufeland deutlich wird, zweifelte Hahnemann an der Medizin seiner Zeit und an dem dieser Medizin zu Grunde liegenden Prinzip „contraria contrariis“, nach dem Krankheitszeichen mit gegensätzlichen Maßnahmen behandelt werden.
Einen entscheidendenden Anstoß für die Entwicklung eines anderen, eines neuen Therapieprinzips lieferte ihm dabei der so genannte „Chinarindenversuch“. Damit ist Folgendes gemeint: Als Hahnemann die Arzneimittellehre des Schotten William Cullen übersetzte, kamen ihm Zweifel an den Aussagen Cullens über die Chinarinde. Er nahm Chinarinde ein und entwickelte daraufhin vorübergehend Symptome, wie sie bei Malaria auftreten. Er notierte darüber in der Fußnote zur Übersetzung Cullens (1790):
„Ich nahm des Versuches halber etliche Tage zweimahl täglich jedesmahl vier Quentchen gute China ein; die Füsse, die Fingerspitzen usw. wurden mir erst kalt, ich ward matt und schläfrig, dann fing mir das Herz an zu klopfen, mein Puls ward hart und geschwind; eine unleidliche Aengstlichkeit, ein Zittern (aber ohne Schauer), eine Abgeschlagenheit durch alle Glieder; dann Klopfen im Kopfe, Röthe der Wangen, Durst, kurz alle mir sonst beim Wechselfieber gewöhnlichen Symptome erschienen nacheinander … Dieser Paroxysm dauerte zwei bis drei Stunden jedesmahl, und erneuerte sich, wenn ich diese Gabe wiederholte, sonst nicht. Ich hörte auf und ich war gesund.“
Durch diese Beobachtung kam Hahnemann erstmalig der Gedanke, ob Arzneistoffe beim Gesunden diejenigen Symptome auslösen, die sie beim Kranken heilen – und umgekehrt diejenigen Symptome beim Kranken heilen, die sie beim Gesunden auslösen.
Das Simile-Prinzip
Über Jahre entwickelte Hahnemann diesen Gedanken weiter. Im Jahre 1796 veröffentlichte er seine Überlegungen erstmalig in dem bekannten „Journal der practischen Arzneykunde“ des Arztes Christoph Wilhelm Hufeland unter dem Titel „Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen“. Hier schreibt er:
„Jedes wirksame Arzneimittel erregt im menschlichen Körper eine Art von eigner Krankheit … Man ahme der Natur nach … und wende in der zu heilenden … Krankheit dasjenige Arzneimittel an, welches eine andre, möglichst ähnliche künstliche Krankheit zu erregen imstande ist, und jene wird geheilet werden; Similia similibus.“
Der Leitsatz homöopathischen Handelns ist die Ähnlichkeitsregel. Sie findet sich als „Similia similibus“ in dem genannten Aufsatz, ausführlicher noch im Organon von 1810 in der Formulierung „Similia similibus curentur“ („Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“). Die Ähnlichkeitsregel, aufgrund der lateinischen Formulierung auch als Simile-Prinzip bezeichnet, besagt, dass im Krankheitsfall dasjenige Arzneimittel gewählt wird, welches beim Gesunden ähnliche Symptome hervorbringt. Durch den individuellen, gezielten Reiz sollen die dem Menschen eigenen Selbstheilungskräfte aktiviert und so die vorliegende Krankheit überwunden werden.

